Ich fühle mich gleichberechtigt, wenn ich mit Student angesprochen werde.

Mitte der 70er Jahre wurde durch die Feministische Linguistik, die genderfaire Sprache eingeführt. Dadurch sollten, durch explizierte Nennung, beide Geschlechter sichtbar gemacht oder neutralisiert werden. Die Emanzipation der Frauen war ein wichtiger Schritt in der Geschichte und für mich existieren heutzutage keine zwei Klassen mehr. Eine Frau ist für mich gleichwertig zu einem Mann. Alltägliche Genderungen, wie sehr geehrte Dame, Frau oder auch Kollegin, empfinde ich als angemessen, respektvoll und höflich.

Studenten, Studentinnen oder doch lieber Studierende?

Allerdings komme ich mir als emanzipierte Frau nicht ernst genommen vor, wenn überall im universitären Bereich ein –innen drangehängt wird. Denn was unterscheidet mich vom männlichen Pendant, außer meines Geschlechts? Nichts. Ich kann dieselben Fähigkeiten erwerben, einem Mann im Hinblick auf das Wissen um nichts nachstehen. Durch die explizite Erwähnung komme ich mir jedoch so vor, als würde ich das.

Viele Begriffe, wie Student, Tutor oder Azubi sind für mich und viele andere aus meiner Generation – geschlechtsneutral. Regelmäßig erlebe ich Augenverdrehen, wenn es mal wieder heißt: „Nein das ist nicht gendergerecht“. Solange ich nicht mit Herr statt Frau mit angesprochen werde, ist mir das als Frau herzlich egal. Ich fühle mich mit der Bezeichnung „Student“, eher auf einer Ebene mit meinen männlichen Kommilitonen. Das Wort ist für mich, wie im Englischen, einfach eine geschlechtsneutrale Bezeichnung.

Wie komme ich dazu?

Das Weibliche wird in unserer Erziehung und unserem Sprachgebrauch immer noch als schwach angesehen. Jeder kennt vermutlich das Video „Like a girl“ von Always, in dem es darum geht darzustellen wie die Selbstwahrnehmung von erwachsenen Frauen und Mädchen allgemein ist. Für mich ist es normal und kein Wunder, dass eine Frau erfolgreich Informatik, Elektrotechnik oder Maschinenbau studiert und besteht.

Meiner Meinung nach ist es nicht Frauenfeindlich eine Frau, als Student, Zuhörer oder Kumpel zu bezeichnen. Es ist nur frauenfeindlich das weibliche Geschlecht, als nicht gleichwertig in allen Köpfen zu erziehen. Was denkt ihr? Wie seht ihr euch selbst?


Nebenbei erwähnt ist es in MINT-Studienfächern oftmals so, das Frauen oftmals nicht zugetraut wird dasselbe Studium zu meistern. Ich habe schon erlebt das in einem Praxisseminar ein Dozent sagte: „Jetzt machen wir ein ein wenig Frauenförderung. Meine Herren lassen sie Ihre Mitstudentin an das Digiboard und lassen Sie sie das mal alleine ohne ihre Hilfe machen.“. Jedoch hatte ich keine Probleme damit ein Gatter zu stecken…

2 Comments

  1. Tim sagt:

    Stimme, ich vollkommen zu.
    Ich selbst habe mich als Mann auch oft dabei erwischt wie ich mir dachte :“Typisch Frau oder ähnliches negatives Stigma mit dem weiblichen Geschlecht verbunden“ welches sich in meinem Hirn auf Grund von Erziehung und der Gesellschaft entwickelte.

    Als Mann wird dieses Denken mitgegeben. In der Fahrschule wird vor weiblichen Fahrerin scherzend gewarnt, in der Schuhe wird die Meldung eines Mädchens besonders hervorgehoben, kämme ja so selten vor.
    Oder Allgemein wird alles so etwas verniedlicht und herabgemindert.

    In einem Fall, war ich bei einem Training in Krav Maga (einer Isrealische Soldatenkampfkunst für den Krieg), mir gegenüber war eine Frau die schon seid 2 Jahren Mitglied ist, ich war drann mit sie am Kragen zu Packen und sie festzuhalten und möglichst ihr es schwer zu machen sich zu befreien.
    Ich habe mein bestes Gegeben, tja, hätte sie nicht aufgepasst wäre ich heute Mannslos, denn sie zeigte wie schnell und wie effektiv sie diese Kampfkunst beherscht, in die Hocke, wegdrehen, schlag auf die Weichteile.
    Techniken die sie im fortgeschrittenen Kurs gemeistert hatte, leider hatte ich keinen Tiefschutz, aber sie machte mir von vorne rein klar:“Hey, ich bin ein Kämpfer, nicht die Hilflose Geisel, nehm mich ernst“.

    So schnell kann Mann sich irren, b.z. dieses Gedankenmuster. Frauen sind oft viel taffer und stärker und Willensstark wie Granit. Sie müssen es noch sein in dieser doch recht unfairen Welt, aber es lohnt sich.

  2. Christiane sagt:

    Ja. Ich stimme dir zu.

    Ich sag auch immer „Ich in gelernter Koch“ oder aktuell „Ich mache meinen Betriebswirt“ – für mich sind solch Bezeichnungen geschlechtsneutral.

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